116 Seiten
kartonierte Ausführung
Format 19,0 x 28,0 cm
978-3-945763-45-2

lieferbar ab 24.11.2017

Preis: 12,00 EUR
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Karussell 7 / November 2017

Bergische Zeitschrift für Literatur

Redaktion: Dieter Jandt, Torsten Krug, Andreas Steffens

Thema: VERWEILE DOCH

Goethes Faust ist ein Getriebener. Sein Erkenntnisdrang, der nie befriedigt werden kann, sein Streben nach Gottähnlichkeit gleichen einem Fluch. In seine Ruhelosigkeit mischen sich lähmender Lebensüberdruss und Ermüdung.

Sein Alter Ego, der Teufel, bietet an, ihm beides zu nehmen, indem er ihm die diesseitige Welt in ihrer ganzen Fülle zeigt wie sie »noch kein Mensch gesehen«. In seiner Überheblichkeit willigt Faust in die Wette ein. Er glaubt nicht daran, dass der Teufel ihn an einen Lebensmoment bannen kann, der ihm zugleich seine Endlichkeit aufzeigt. Seinsfülle, reine Gegenwart – das wäre das Glück.

»Werd ich zum Augenblicke sagen / verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!«

Wir alle kennen es: ein Prickeln auf der Haut, plötzlich fühlen wir uns glücklich – ein Zeitprisma –, und sobald wir es festgestellt haben, ist das Glück wieder fort. »Frage dich, ob du glücklich bist, und du hörst auf, es zu sein«, so der Philosoph John Stuart Mill. Glück ist flüchtig, wir erleben es nur im Moment.

Die Reihen der Ratgeber in den Buchhandlungen sind lang.

Das Verlangen nach Glück kann süchtig machen. Charles Baudelaire wusste ein Lied davon zu singen; weil das Glück ihn nie aufsuchte, wie er meinte, half er mit Opium nach.

Gurus empfehlen, vom Denken abzulassen. Über Meditation erfahre man so Phasen eines Zustandes, der nichts will und nichts abverlangt, einen Zustand in der Schwebe. Ist das Glück?

Sicherlich kann es jedem begegnen. Ein Obdachloser mag Glück erfahren, wenn nachts über ihm eine Sternschnuppe am Himmel zackt oder eine späte Passantin ihn anlächelt.

Das neue KARUSSELL versammelt Texte zum flüchtigen Glück in rauen Zeiten wie diesen.