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"Jeder erzählt seine Geschichte"

"Jeder erzählt seine Geschichte"

Remscheider General-Anzeiger: 24.03.2018

Rezension von Sabine Naber

Fotograf Thomas E. Wunsch hat 378 Remscheider für einen Bildband porträtiert.

Als der Fotograf Thomas E. Wunsch die Idee hatte, einen „andersartigen“ Bildband über Remscheid zu zeigen, da hatte er sich zunächst vorgenommen, nicht nur die schönen Ecken dieser Stadt zu zeigen. Aber mit der Zeit seien die Menschen immer mehr in seinen Fokus gerückt: „Menschen, die etwas über Remscheid zu sagen haben. Sie sind es, die diese Stadt ausmachen. Sie hauchen ihr Leben ein und lassen die Stadt pulsieren“, ist Wunsch überzeugt. So ist sein Bildband „Bestandsaufnahme“ entstanden, der gestern erschienen ist und in der Bergischen Buchhandlung in Lennep vorgestellt wurde. 378 Porträts plus das des Fotografen und fünf Aufnahmen von besonderen Orten in Remscheid sind zu sehen. 378 Gesichter, weil Remscheid an seiner höchsten Stelle 378 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Unter den Fotos stehen nur die Vornamen, das Geburtsjahr und der Ortsteil, in dem der Fotografierte lebt. In den vergangenen drei Jahren hatte Wunsch immer wieder in der Zeitung, den sozialen Netzwerken oder auch durch Mundpropaganda zur Teilnahme aufgerufen. Die Bilder entstanden in Remscheider Lokalitäten. „Wer zu mir kam, wurde porträtiert. Und fast jeder hatte etwas über sich und die Stadt zu erzählen. Seine ganz persönliche Sicht. Manchmal nur ein Wort, manchmal eine halbe Autobiografie“, sagt Wunsch. „Ich bin in der Erlebbar an der Hindenburgstraße fotografiert worden“, erzählt Andreas Zimmermann. Der Berliner ist der Liebe wegen nach Remscheid gekommen. „Ich kannte Thomas als guten Fotografen. Wusste also schon vorher, dass das eine tolle Sache wird“, sagt er und blättert im Bildband. Er findet es spannend, so viele Charakterköpfe aus Remscheid zu sehen. „Ich konnte gerade noch bei der Fotosession mitmachen. Und sehe jetzt, wie toll das Buch geworden ist“, sagt Jens Stippkugel, der 1972 geboren wurde und zur Buchvorstellung nach Lennep gekommen ist. Remscheid ist seine Heimatstadt, hier lebt seine Familie. „Mit Sorge beobachte ich den Umbruch, der auf der Alleestraße passiert, an der ich 20 Jahre lang gewohnt habe. Ich würde sie mir wieder wie früher wünschen, mit viel Trubel und schönen Geschäften.“ Zu sehen ist auch das Porträt von Lasse (8). Darunter steht: „Remscheid ist cool. Ich bin hier geboren und fühle mich wohl und zu Hause. Ich bin ein Remscheider Junge.“ Unter Tatjanas Foto - sie ist 1969 in Kulmbach geboren und wohnt seit zwölf Jahren in Bliedinghausen – steht: „Viele schimpfen über unsere Stadt. Für uns nicht immer nachvollziehbar. Wir freuen uns über unsere neue Heimat.“

Ein einziges farbiges Foto ist unter all den Schwarz-Weiß-Aufnahmen zu sehen. Es zeigt einen Streifen Wiese voller bunter Sommerblumen. Darunter steht: „Buntstreifen an der Freiheitstraße, Juni 2017.“ Auch ein wilder Kirschbaum in Lüttringhausen, die Sicht über den Südbezirk und ein Blick zur Decke des „Waterbölles“ hat Wunsch festgehalten.