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Remscheider Lesefestival: Lesung mit Milchkanne und Bohrer

Bergische Morgenpost, 19.11.2018

von Anna Mazzalupi

Remscheid. Es sind Erinnerungen an eine Zeit ohne moderne Technik und To-go-Kaffee. Und es sind Erinnerungen, die durch die Erzählung wieder lebendig werden, und mit denen sich viele identifizieren können. Und so gab es am Samstagvormittag immer wieder zustimmendes Kopfnicken bei der Lesung in der Stadtteilbibliothek Lennep.

Die Bergische Autorin Dorothee Kotthaus-Haack las aus ihrem Buch „Kühe, Kappes und Kartoffeln“, das ihre Kindheit in der 50er und 60er Jahren auf dem elterlichen Bauernhof auf Holthausen in Wuppertal-Ronsdorf thematisiert.

„Ich hatte eine glückliche Kindheit. Mit diesem Buch wollte ich ein ehrendes und bleibendes Denkmal für meine Eltern schaffen“, erklärte die pensionierte Lehrerin zu Beginn an. Die Autorin hatte auch Erinnerungsstücke vom Hof dabei – eine Milchkanne, einen Handbohrer, die Schnibbelbohnenmaschine, das extra für ihre Mutter angefertigte kleine Küchenmesser oder auch den „Stollwerk Spar-Automat“ ihres Vaters. Es sind Relikte, Zeugen vergangener Tage, die den Betrachter berühren und die vorgetragenen Kapitel greifbarer machen.

Kotthaus-Haack erzählte von der Familie und dem Leben mit den Kühen, die die fünfköpfige Familie ernährte. „Die Milch kam frisch von der Quelle. Eine Verpackung wie heute kannten wir nicht“, las sie. Sie schwärmte vom leckeren Milchbrei oder erzählte davon, dass Kuh Minka immer die erste auf der Weide und am Baum war. So entstand der noch heute gängige Name „Minkas Baum“ für das Stückchen Land, dessen Blick bis nach Cronenberg reicht.

Auch ihr Mann Gerhard Haack übernahm zwei Parts. Besonders die Geschichte über den Frühjahrsputz fand viel Zustimmung beim Publikum. Das jährliche Ausschlagen der Matratzen oder das Säubern der massiven Federrahmen kannten viele noch aus ihrer eigenen Kindheit. Zwischen Beschreibungen vom Familienleben, Naturbeobachtungen, Schulerlebnissen und anderen Episoden verging die Zeit wie im Flug.