Zucker im Kaffee
Anna Schmidt ermittelt
Solche Detektive und Polizisten, wie sie überwiegend in Kriminalromanen auftreten und solche raffinierten und schrecklichen Verbrechen, die zu gerne der Schreiblust der Autoren entspringen gibt es eigentlich gar nicht. Dennoch steckt der wirkliche Alltag der Polizei und die Ermittlungs-Arbeit der Kriminalpolizei und Kriminaltechnik voller Verbrechen, Bösartigkeit, Lüge und dem täglichen Dreck, mit dem sich die Schutzleute und Ermittler auseinanderzusetzen haben. Weil Jürgen Kasten ein Autor ist, der das Handwerk des Kriminalisten von der Pike auf gelernt hat sind seine Kriminalromane geerdet. So auch sein soeben im Bergischen Verlag erschienener neuer Krimi „Tod im Tanztunnel“, der in Wuppertal spielt, wo der Autor Jahrzehnte seines Lebens dem Verbrechen auf der Spur war.
Als Kriminalkommissarin Anna Schmidt und ihr so langsam amtsmüde werdender Chef, der knurrige Hauptkommissar Fasel sich um den Fall eines toten Radlers im froschgrünen Dress kümmern müssen, der in einem der Tunnel der früheren „Rheinischen“ Strecke im Norden der Stadt gefunden wurde, der auch als Disco genutzt wird, ahnen sie noch nicht, daß sie dabei eventuell dem Landeskriminalamt (LKA) auf die Füße treten, das offenbar und irgendwie auch an dem Fall interessiert ist.
Anna kannte den Radler ansehens, weil er ihr dort, wo aus der stillgelegten ehemaligen Eisenbahnstrecke jetzt ein beliebter Fahrrad-Weg geworden ist, oft begegnet ist, wenn sie sich ebenfalls auf dem Rad auspowerte. Als sich erweist, daß der Mann eine schußfeste Weste unter dem Trikot trug, daß er Elmer Lüders hieß, ein Polizeibeamter der Elberfelder Hauptwache war und nicht an einem Herzinfarkt sondern an einem aufgesetzten Schuß in den Kopf starb, wird der Fall brisant.
Fasel beauftragt Anna mit den Ermittlungen, doch bald mischt sich Elli Morgenstern vom LKA ein und muß offenbaren, daß Lüders ein verdeckter Ermittler gewesen ist und von ihr geführt wurde. Er sollte Verbindungen von Elberfelder Polizeibeamten zum organisierten Verbrechen und der Rockergang Heart Angels aufspüren, um von innen heraus einen Sumpf von Bestechung, Erpressung und Drogenhandel trockenzulegen. Man entschließt sich zur Kooperation.
Sie nehmen den Rockerpräsidenten Olaf Bräsig und seine Heart Angels, besonders einen blond Gelockten ins Visier, die ganz offenbar mit Schutzgelderpressung und Drogenhandel versuchen die Szene zu beherrschen. Eine Spur führt sie zum Mettmanner Lokal Chez Marie – und zu persönlichen Verflechtungen zwischen Polizisten und Ganoven. Und der Tote im Tanztunnel bleibt beileibe nicht die einzige Leiche in dem weitreichenden Fall.
Dieser Krimi gehört zur Kategorie „zu lesen anfangen und nicht absetzen wollen“. Er bietet (durchschaubare) Verwicklungen, greifbare Charaktere, Schlag auf Schlag folgende Handlungselemente und ein realistisches Umfeld. Da geht es um Polizeiarbeit, Kleinganoven, Typen, die wie im wirklichen Leben glauben, durch Verbrechen Erfolg haben zu können und um menschliche Schicksale, Fehler und Unzulänglichkeiten. Ein Roman, der nicht nach Sensationen hascht, keine Superhelden und -schurken bietet, sondern auf dem Boden bleibt. Gerade deshalb zur Lektüre empfohlen.
Jürgen Kasten – „Tod im Tanztunnel“
Krimi Bergisches Land
© 2026 Bergischer Verlag, 224 Seiten, Broschur, 1. Auflage 2026 - ISBN: 978-3-96847-074-0
15,- €
Weitere Informationen: www.BergischerVerlag.de